Die Ausgangslage
SalzburgerLand Tourismus wollte für die Winter-Chill-Out-Kampagne neun Destinationen in einem einzigen Winter bespielen: Altenmarkt-Zauchensee, Eben, Filzmoos, Gastein, Hohe Tauern, Obertauern, Radstadt, Saalbach und Wagrain-Kleinarl. Für jede Destination ein eigenes Reel in Hoch- und Querformat plus Fotostrecke: insgesamt über 200 bearbeitete Fotos.
Die gesamte Produktion lag bei uns: Content-Strategie, Casting, Projektmanagement, Dreh und Post-Produktion. Das Zeitfenster reichte von Februar bis Mitte März: rund sechs Wochen. Neun Drehtage mussten in diesem Fenster stattfinden, dazu Backup-Tage hinter jedem einzelnen Termin.
Was gedreht wird, kam zu großen Teilen von den örtlichen Tourismusverbänden: Manche wollten reinen Ski-Content, andere eine Mischung aus Ski und Spa. Unsere Aufgabe war, aus jedem dieser Wünsche das stärkste Material zu machen und alles zusammen trotzdem wie eine Kampagne aussehen zu lassen.
Wetterfenster statt Drehplan
Der wichtigste Unterschied zwischen einer Sommer- und einer Winterkampagne ist nicht die Kälte, sondern die Planungslogik: Ein fixer Drehplan über neun Destinationen überlebt keinen Alpenwinter. Geplant haben wir deshalb keine Termine, sondern Wetterfenster, mit Backup-Tagen hinter jedem Drehtag und Go/No-Go-Entscheidungen auf kurze Distanz, oft erst am Vortag.
Das klingt flexibel, ist aber vor allem Arbeit: Jede Verschiebung zieht Models, Props, Unterkünfte und die Abstimmung mit dem örtlichen Verband nach sich. Sechs Wochen lang hieß das tägliche Kommunikation mit dem Kunden: Wetterslots finden, umbuchen, neu organisieren. Diese Vorproduktion war der eigentliche Kern der Kampagne, nicht der Dreh.
Einmal ist der Plan trotzdem gebrochen: Der Verantwortliche eines örtlichen Verbands wollte trotz schlechter Wetterprognose am ursprünglichen Termin festhalten. Wir haben verschoben. Das gab echte Spannungen. Versöhnt hat ihn am Ende das Material aus dem Schönwetterfenster; ganz glücklich über die Verschiebung wurde er trotzdem nie. Die Lektion: Jemand muss die Wetterentscheidung treffen und aushalten. Das ist unser Job, nicht der des Kunden.
„Ein fixer Drehplan über neun Destinationen überlebt keinen Alpenwinter. Wir planen Wetterfenster, keine Termine.“

Ein voller Tag pro Destination
Neun Destinationen, neun Drehtage: jede Region bekam einen vollen Tag, keinen halben. Anreise, Bergbahn-Logistik, Setup und das kurze Winterlicht füllen einen Tag vollständig; zwei Destinationen an einem Wintertag sind eine Illusion.
Die wichtigste Uhrzeit des Tages ist die erste Gondel. Ski-Action drehen wir ausnahmslos am Morgen: frisch präparierte Piste, niemand im Bild, hartes Seitenlicht. Ab etwa halb zehn ist die Piste zerfahren und voll. Danach stehen Terrasse, Details und Landschaft auf dem Plan, denen der Zustand der Piste egal ist. Diese Reihenfolge ist kein Stilmittel, sondern der Grund, warum ein Drehtag pro Destination reicht.
Jede Region bekam ihre eigene USP-Behandlung: eigene Hooks, eigene Motive, eigene Foto-Schwerpunkte, abgestimmt auf den örtlichen Verband, aber immer innerhalb des gemeinsamen Winter-Chill-Out-Rahmens. So bleibt die Kampagne als Ganzes erkennbar, ohne dass sich die Destinationen austauschbar anfühlen.
Das Setup pro Drehtag war bewusst klein: ein Content Creator für Foto und Video, ein bis drei Models und Unterstützung von SalzburgerLand Tourismus oder dem örtlichen Verband. Ein kleines Team ist im Winter kein Sparmodell, sondern eine Wetterversicherung: es kann kurzfristig verschieben, schnell auf den Berg und schneller wieder herunter.
„Ski-Shots entstehen immer am Morgen. Nach halb zehn ist die Piste zerfahren und das sieht man in jedem einzelnen Shot.“


Casting: erst Skifahren, dann Kamera
Das gesamte Talent wurde vorab von uns gecastet. Das wichtigste Kriterium war nicht die Kameraerfahrung, sondern das Skikönnen: bei den Models genauso wie beim Creator. Skifahren und gleichzeitig drehen, ohne sich oder andere zu gefährden, ist körperlich fordernd und verzeiht keine Selbstüberschätzung.
„Im Zweifel lieber der bessere Skifahrer als der bessere Kamera-Operator. Einen wackligen Shot rettet die Post-Production, einen Kreuzbandriss nicht.“
Logistik, Budget und Kilometergeld
Die unglamouröse Wahrheit über die Kostenstruktur: Die zwei größten Kostentreiber der Kampagne waren Talent und Kilometergeld. Neun Destinationen bedeuten viele Stunden im Auto und bei weiter entfernten Tälern Übernachtungen für Talent und Team, die laufend gegen das Budget abgewogen werden mussten. Diese Balance war permanente Arbeit, kein einmaliger Plan.
Beim Equipment war der Winter das kleinere Problem: Sony FX3 und A7IV, DJI Mavic 3 Pro und Gimbal, dazu großzügig Akkus: Kälte frisst Kapazität, also gehören Reserven und warme Taschen zur Grundausstattung. Wer hier spart, bezahlt mit dem Wetterfenster.
Was uns spürbar entlastet hat: Genehmigungen, Pistenzugänge und Bergbahn-Absprachen lagen komplett bei den örtlichen Verbänden. Das ist der Vorteil einer Kampagne mit dem Tourismusverband als Partner und ein Punkt, der in jedem Briefing vorab geklärt sein sollte.

Freigaben im Sprint
Pro Video gab es ein bis zwei Korrekturschleifen, mehr ließ der Kalender nicht zu, weil vieles wenige Tage nach dem Dreh veröffentlicht wurde. Was nach Risiko klingt, war in der Praxis ein Vorteil: Enge Deadlines zwingen alle Beteiligten, über das Wesentliche zu entscheiden, statt über Details zu diskutieren.
Die Ergebnisse
Acht der neun Reels erreichten auf Instagram zwischen 96.000 und 130.000 Views, eines blieb bei 21.000, in Summe über 860.000 Views. Die Einzelwerte: 98.000, 101.000, 130.000, 99.000, 104.000, 116.000, 21.000, 97.000 und 96.000.
Der Ausreißer nach unten gehört zur Wahrheit dazu: gleicher Prozess, gleiche Qualität, trotzdem ein Fünftel der Reichweite. Wer bei Social-Kampagnen jede einzelne Zahl garantiert, verkauft etwas anderes als Erfahrung. Was sich planen lässt, ist die Konsistenz der übrigen acht.


Was wir beim nächsten Mal anders machen
Die ehrlichste Erkenntnis der Kampagne: Wir haben die Vorproduktion unterschätzt und unterpreist. Tägliche Wetterentscheidungen, Umbuchungen und die Koordination von neun Verbänden waren deutlich mehr Arbeit als kalkuliert. Die Konsequenz war strukturell: Seit dieser Kampagne gibt es bei uns dediziertes Projektmanagement für Produktionen dieser Größe.
Für Auftraggeber heißt das umgekehrt: Wenn eine Agentur das Projektmanagement einer Multi-Destination-Produktion als Nebenposten führt, ist entweder die Kalkulation falsch oder es rächt sich mitten im Winter.
